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11. Februar 2016 @ 18:14 by Astrid Farwick

Der Lazarus-Effekt

Eine kleine Geschichte aus dem Fränkischen. Endeckt im Newsletter Geistliches Zentrum Schwanberg.

Also, ich hab heut grad in der Früh nachn Aufstehn mein Kaffee getrunken.
Zwischn zwa Marmeladn-Weggli schau ich in mein Lap-Top und dann in die Zeitung – also ich guck da jedn Tag nei – und manchmal les ich sogar die Todesanzeigen.
Mit Erschrecken stellt mer dann oft fest, Mensch, der war ja a ned älter wie ich jetzt bin, o je.
„Ned Zeit vergeht – Leben vergeht “ denk ich mir grad und da seh ichs – es schwimmt was in meiner Kaffee-Tassn!
Mensch na, denk ich mir und greif nach dem kleinen Löffel. Moment, des werdn mir gleich haben – des holn mir raus! Sowas, des mag wohl keiner, mer schwankt zwischen Ekel und Ärger, ein bissla grausts einem auch. Besonders, wenn mer dann des Ergebnis von dem Fisch-zug auf die Tischplattn klopft und a tote Muggn (Mücke) in der Kaffee-Soß zum Vorschein kommt. Die Flügel und ihre Bein pappen am Insektenkörper.
Es is scho a Jammer mit dem Werden und Vergehen denk ich mir – und da kommt mir a Idee!
Da hab ich doch scho mal was drüber glesen! Wie war denn des gleich numal?
Ach ja, jetzt weiß ich`s wieder:
Ich steh auf, hol an Esslöffel voll Salz und streu des wie an Grabhügel über die Muggnleiche. Da drunter liegt si jetz, kaum aus der Larvn ausgschlupft, verklebt und tot unter dem Salz-berg, a Häufla Elend.
Plötzlich und unversehens klettern einem düstere Gedanken ins Hirn: über die eigene End-lichkeit, Basta, Schluss, Aus, Finito. Und dann wieder die vorgeschobene Selbstsicherheit wie: naja, hat ja noch Zeit, und ich bin doch noch ganz fit, da kenn ich ganz andere, ja was glaubst denn Du!
Genauso schnell erscheinen dann solche Gedanken hohlklingend, abgedroschen, selbst-betrügerisch und schal zu sein.
Mit einem Seufzer schau ich dann wieder über den Tisch und trink noch ein paar Schluck Kaffee, mit leicht verzerrten Mundwinkeln – immerhin könnt mer die Brüh auch mit Recht als Muggn-Badewasser bezeichnen.
Da! Ja gibt’s des etz a?! Da hat si doch was bewegt! Tatsächlich, der Salz-Muggn-Grab-Hügel fängt an zu beben und zu rieseln und – ich denk ich spinn – krabbelt da die Muggn doch tatsächlich aus dem Salzberg, putzt sich a bissla, schnauft amal durch, nimmt Anlauf und fliegt davon, als wenn überhaupt nix gwesn wär!
Dunnerwetter – des hätt ich ned für möglich ghaltn – die is auferstandn von den Toten, des Salz hat ihr die Kaffee-Tröpfli aus die Atemtrichter gezogn und ihre Körperfunktionen sind wieder angsprungen!
Siehstes, so stell ich mirs vor – es muss einer da sein, der dafür sorgt, dass einem die dunkle Brüh rausgezogen wird, so dass mir a neus Lebn anfanga können.
Vielleicht können mir dann sogar fliegn? Wer weiss?
Hans Meyer, Scheinfeld

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