Blog

header background
28. Oktober 2016 @ 11:14 by Astrid Farwick

Ein Brief an Luther. Gedanken zur Reformation 2016

von Pfr. Otto W. Ziegelmeier

Lieber Martin,

Reformationstag und Reformationsjubiläum sind ein guter Anlass, über uns beide nachzudenken. In letzter Zeit bist du scharf kritisiert worden, zuweilen zu Recht. Jedoch hast Du niemals behauptet, ein Heiliger zu sein. An die Unfehlbarkeit hast du nie geglaubt, auch nicht an die deinige. Geglaubt ganz fest hast Du aber, dass Gott dich liebt, dich annimmt, so wie du bist, – allein aus Gnade, allein aus Glauben. Sola Gratia, Sola Fide. Daher hast Du gegen den Ablass gekämpft, in dem man sich angeblich für Geld von Sünden loskaufen und sich einen gütigen Gott kaufen kann.

Du hast dazu 95 Thesen aufgestellt, verteilt und zur Diskussion gestellt, – damit hast Du das Abendland verändert. Ich vermute mal, Du hast sie am 31.10.1517 nicht an die Schlosskirche von Wittenberg genagelt, – erzähl mir mal, wie’s wirklich war „am Ende aller Tage“. So wurde auf jeden Fall dieser 31.10. zum Reformationstag.

Ich hätte den 18. April 1521 als Reformationstag gewählt. Du erinnerst Dich? Da hast Du Deine Schriften vor dem Kaiser, den Fürsten und Bischöfen Deine Schriften verteidigt: „Widerrufen kann und will ich nichts, weil es weder sicher noch geraten ist, etwas gegen sein Gewissen zu tun.“ Das war sehr mutig von einem kleinen Bettelmönch, der weltlichen und geistlichen Obrigkeit so zu widersprechen und über sie alle das eigene Gewissen zu stellen! Respekt, Martin!

Natürlich bin ich Dir dankbar für die Übersetzung der Bibel in eine wunderbare deutsche Sprache, damit sie jeder lesen kann. Keinen Pfennig wolltest Du dafür haben. Daher können wir heute von Erfahrungen mit Gott lesen und die alten Gebete der Christenheit mitbeten. An der Bibel müssen sich Konzile und Päpste messen lassen. Sola Scriptura.

Dankbar bin ich Dir für Dein Eintreten für Toleranz, Geschlechtergerechtigkeit, Frauen in kirchlichen Ämtern und dass Männern keine Zacke aus der Krone fallen wird, wenn sie mal – wie auch Du getan hast – Windeln waschen.

Dankbar bin ich Dir auch, dass Du die Tyrannen zittern lässt. Denn als Christ soll man zwar Ungerechtigkeiten hinnehmen. Aber: Es kann sein, dass ein „Fürst“ verrückt wird. Dann kann es unvermeidbar sein, Schuld auf sich zu laden und diesen zu stoppen.

So habe ich Dir und Deinen Mitdenkern und Mitstreitern viel zu verdanken: Jan Hus, Heinrich Bullinger, Johannes Calvin, Philipp Melanchthon, Ulrich Zwingli und natürlich auch Katharina Zell, Argula von Grumbach und „Herr Käthe“, – Deine liebe Frau. Deren Bier hätte ich zu gerne mal probiert. … ich weiß, – wenn wir uns wiedersehen.

Summa summarum: Besonders bin ich Dir dankbar, dass Du mich lehrst, auf mein Gewissen zu hören, und dass Du mir zeigst, dass mich nichts von Gottes Liebe trennen kann. Das ist Wegweisung und Trost zugleich!

In Dankbarkeit

(Quelle: www.theology.de)

Über den Autor

Ähnliche Beiträge

Kommentare

No comments

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

siebzehn + neunzehn =

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>